Dualaktivierung

Warum blau und gelb?

Pferde sind, anders als wir Menschen, Dichromaten und keine Trychromaten. Das heisst sie besitzen einen Zapfen zum Farbsehen weniger als wir. Dies bedeutet, dass sie die Welt hauptsächlich in Grautönen wahrnehmen. Was für sie als Fluchttiere sinnvoll und überlebenswichtig ist , da sie somit ein Raubtier im Gebüsch besser erkennen können. Denn Farbsehen geht auf Kosten des Formsehens. Studien haben ergeben, dass Pferde jedoch auch die Farben gelb und blau sehr gut unterscheiden können und auch stärker wahrnehmen, als z.B. rot und grün. Dies machen wir uns in der Dualaktivierung zu Nutze.

Pferde sehen durch ihre seitlich angelegten Augen, anders als wir Menschen, monokular. Das bedeutet, dass sie ihre Augen unabhängig von einander benutzen können. Dabei sind diese nicht funktional miteinander verschaltet. Was dann dazu führt, dass sie sich dem rechts gesehenen Bild links nur zu einem kleinen Teil bewusst sind. Dies da sich die Sehnerven auf dem Weg ins Gehirn des Pferdes nicht ca. 50% zu 50% kreuzen, sondern ca. 85% zu 15%. Im Reiteralltag führt diese Tatsache dann häufig zur allgemein bekannten Situation, dass das Pferd links problemlos an einem Gegenstand (z.B der Jacke auf der Bande, oder der frisch gestrichenen Parkbank) vorbei geht, rechts aber eine deutliche Reaktion zeigt.

Ebenfalls ist die Übertragungsrate zwischen den beiden Hirnhälften über den Balken (Corpus Callosum) deutlich geringer, als beim Menschen. Der sogenannte „calloso bulbäre Index“ beträgt beim Menschen 3,12 beim Pferd 0,7.

Ständige rechts- links Wechsel durch die blau-gelben Gassen und Pylonen und auch innerhalb der Übungen in der Dualalktivierung, fördern das schnellere Umschalten im Pferdegehirn. Das Pferd kann so Informationen schneller verarbeiten, lernt leichter und schneller und wird gelassener in seinem Wesen.

Wozu machen wir Dualaktivierung?

  • Dualaktivierung verbessert die Balance und Koordination des Pferdes und fördert den Muskelaufbau.
  • Dualaktivierung fördert das Hin- und Herschalten zwischen den beiden Hirnhälften. Die Ausgeglichenheit der beiden Hirnhälften ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Pferd optimal lernen kann.
  • Dualaktivierung bringt das Pferd dazu seine Hinterhand zu aktivieren und in einer Biegung richtig zu lasten.
  • Ein Pferd welches schnell zwichen den Hirnhälften hin und her schalten kann, wird auch im Umgang gelassener, da es schneller entscheiden kann, ob eine Situation wirklich gefährlich ist.
  • In der gerittenen Dualaktivierung werden durch die blau-gelben Gassen und Pylonen bereits seit Jahrhunderte bewährte Übungen sichtbar gemacht. Mensch und Pferd erhalten einen Plan, um die Übungen korrekt und sinnvoll zu bewältigen.

Was beinhaltete Dualaktivierung?

Positionsarbeit

In der freien Wildbahn und auch im heimischen Offenstall ist zu beobachten, dass Pferde die Rangordnung in der Herde nicht danach festlegen, wer der oder die Stärkere ist, sondern danach, wer die höheren Führungsqualitäten mitbringt. Und so testen auch Pferde bei uns Menschen, ob wir die Fähigkeit zur sicheren Führungsperson mitbringen. Oft geht es um Zentimeter und kleinste Signale entscheiden darüber, ob sie uns als würdig zu Übernahme der Führung anerkennen oder nicht. Durch gezielte, durchdachte Übungen arbeiten wir an unserer klaren Position dem Pferd gegenüber und arbeiten darauf hin, ihm eine zuverlässige Führungsperson zu sein.

Fahnenarbeit

Mit der Fahnenarbeit bereiten wir das Pferd mit Biegung und Stellung auf die danach folgende Arbeit vor. Die Kopfgelenke werden mobilisiert, die Halsmuskulatur gedehnt, die Koordination verbessert und mit der Fahne setzen wir zusätzliche Aufmerksamkeitsreize um die Konzentration des Pferdes zu erhöhen. Die Fahnenarbeit ist für Mensch und Pferd eine hohe koordinative Herausforderung, die uns aber effektiv auf das nachfolgende Training vorbereitet.

Longierte Dualalktivierung

Longierte Dualaktivierung bietet uns die Möglichkeit unser Pferd auch vom Boden aus mit Plan zu arbeiten. An der Longe lenken wir es durch einen sinnvoll aufgebauten Parcours, wo es sich ständig biegen und stellen muss und dadurch das Training von Koordination und Balance gefördert werden. Durch die Arbeit in den blau-gelben Gassen und Pylonen wird auch hier wieder das hin- und her schalten zwischen den Hirnhälften gefördert.

Gerittene Dualaktivierung

Mit den blau-gelben Gassen und Pylonen machen wir in der Dualaktivierung bewährte Übungen aus der klassischen Dressur sichtbar. Der Reiter und das Pferd erhalten einen klaren, leicht verständlichen Plan um die Übungen zu durchreiten. Gerittene Dualalktivierung wird viel auf gebogener Linie geritten, wodurch sich das Pferd in sich gerade richten kann. Durch die ständigen rechts- links Wechsel wird das Pferd zusätzlich in seiner Koordination und Balance gefördert und übt sich im korrekten Umlasten. Das Pferd erhält durch das Erlangen von mehr Balance und Koordination die Möglichkeit den Reiter leichter ausbalancieren zu können. Die gerittene Dualaktivierung ist auch für noch weniger geübte Reiter/innen eine tolle Möglichkeit mit Fokus und Plan mit dem Pferd zu arbeiten. Wir geben so viele Hilfen wie nötig, wirken aber so wenig wie möglich ein.